News arrow News arrow 06.04.2011 - Endlich mal nicht nach Ciudad Real!
   
06.04.2011 - Endlich mal nicht nach Ciudad Real! Drucken

Samstagmorgen 3:30 Uhr. Was will dieser blöde Wecker denn nun schon wieder von uns? Ach ja, es ist mal wieder so weit – „Championsleague-Time“. Also ab unter die Dusche, einen Happen zum Frühstück und dann Richtung Bahnhof.

Wir haben uns dieses Mal für den goldenen Mittelweg der Reise nach Valladolid entschieden. Weder mit Karl in geführter Gruppe noch mit dem Kleinbus in 21 Stunden auf die Iberische Halbinsel. Sondern individuell „Rail and Fly“. Ob das wirklich die beste Entscheidung war, möge der Leser am Ende des Berichtes selber beurteilen.

Also auf mit Zug nach Hamburg und dann mit der S-Bahn zum Flughafen. Von dort geht es über den kleinen Umweg Prag nach Madrid. Was macht man nicht alles um ein paar Euro zu sparen. Und Prag liegt ja auch irgendwie auf dem Weg… In Madrid dann mit der Metro quer durch die Stadt zum Bahnhof Chamartín. Hier kommen unsere fundamentalen Kenntnisse des Nahverkehrs aus früheren Madridbesuchen zum Einsatz. Der Profi weiß wo es lang geht. Und schon sind wir bei der letzten Etappe der Anreise. Mit einem Paradezug der „Renfe“ in gut einer Stunde nach Valladolid. Eine Reise wie zu Hause auf dem Sofa. Wo wohl unser Kleinbus steckt? In Valladolid angekommen geht es erst einmal ins Hotel (5 Gehminuten vom Bahnhof). Übrigens ein wirklich tolles Hotel, wie auch scheinbar andere Leute gemeint haben. Nach einer kurzen Erfrischung geht es dann in die Stadt auf Erkundungstour. Valladolid hat einen sehr hübschen Park und eine kleine aber feine Altstadt mit einer wirklich beeindruckenden Kathedrale. Und zur großen Überraschung auch ein paar Störche. Nach einem ausgiebigen Bummel geht es dann wieder ins Hotel um für das leibliche Wohl zu sorgen. Plötzlich trauen wir unseren Augen nicht. Das ist doch Birgit da vorne??? Und richtig.
„Hallo, was macht ihr denn hier?“ Die schlichte Antwort: „Wir wohnen hier!“ Na, das passt ja prima. Birgit, Günter, Britta, Nicole, Oliver, Anke und Hans-Peter haben das gleiche Hotel wie wir. Sie haben ihre kurze Anreise gut überstanden. Wir in 12 Stunden, die Störtis in 21 Stunden – „Mein Gott sind wir bekloppt!“ Jetzt gibt es noch schnell ein Bier und dann ab in die Falle und ausschlafen.

Am nächsten Morgen treffen wir uns zu einem gemeinsamen Frühstück. Alle sind gut drauf, nur das Wetter nicht. Es regnet in Strömen. Das muss aber noch besser werden, schließlich sind wir mit den Fans von Valladolid zum Grillen verabredet. Der Wettergott hat aber noch rechtzeitig ein Einsehen und als die Fiesta an der Halle um 13:00 Uhr beginnt, nieselt es nur noch ein bisschen. Die Spanier empfangen uns so herzlich als hätten wir schon eine hundertjährige Fanfreundschaft. Es werden Schals und Pins getauscht, ein wenig über den Ausgang des Spiels gefachsimpelt und dann kommt sogar ein Spielmannszug und trägt zur Unterhaltung bei. Es sind zwar keine Klänge von Pink Floyd aber getanzt wird trotzdem. Je oller, je doller, nicht Hans-Peter? Nach einigen Weinen und Bieren werden die leckeren Grillspieße geplündert. Es schmeckt super, aber nach der Gattung der Tiere fragen wir lieber nicht. So vergeht die Zeit bis zum Beginn des Spiels wie im Fluge. Solch eine tolle Stimmung kann man nicht beschreiben, die muss man erlebt haben. Leonfahrer wissen, wovon wir reden.

Ein „muchas gracias“ an unsere spanischen Freunde, es war eine gelungene Party.

Dann beginnt der Ernst des Lebens. Der Bus mit unseren Jungs fährt vor die Halle. Eine kurze Begrüßung und dann müssen wir auch schon zu Karl, damit wir unsere Karten bekommen. In der Halle ist um diese Zeit fast noch nichts los. Das wird sich aber todsicher noch ändern. Die Spanier kommen halt immer erst auf den letzten Drücker. Pünktlich zum Spielbeginn ist der Hexenkessel aber angerichtet und das Spektakel geht los. Leider sind nicht alle Fans von friedlicher Natur und so kommt es fast zur Eskalation und die Polizei muss einschreiten. Und das beim Handball und zu aller Schande sei gesagt: Es waren keine spanischen Fans die für Unruhe sorgten. Nein es waren die vollengagierten Eurosportgucker aus der Heimat, die dachten, sie könnten sich in dieser Halle eine Stunde lang mit Handball berieseln lassen. Wenn dann vor diesen angeblichen Handballfans aufgesprungen wurde, ging die Pöbelei sofort los. Und das in einem Ton, der einer Hamburger Hafenhure die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte. Und Prügel wurde obendrein auch noch angedroht. Gott sei Dank entspannte sich die Lage nach Einschreiten der Polizei etwas. Und von solchen Proleten haben wir uns die gute Laune nicht verderben lassen. So ging das Interesse dann wieder auf das Spiel über und wir konnten den famosen Sieg unseres Teams richtig genießen. Unsere Anfeuerungen sind zwar weitestgehend in dem Höllenlärm der Halle untergegangen, aber Jogi und Co haben uns bei der Verabschiedung nach dem Spiel versichert, dass wir doch zu hören waren. Dann hat sich das Ruinieren der Stimmbänder ja doch gelohnt. Zum Glück gab es gegenüber der Halle eine kleine Bar, wo man mit einigen Cervezas für Linderung sorgen konnte. Auch hier war die Stimmung sehr fröhlich. Und dass Handball in Spanien viel gelassener hingenommen wird als bei uns sah man daran, dass das Betreten der Bar von Pastor allerhöchstens bei uns für ein kurzes Hallo sorgte. So wurde noch ein wenig gesungen und dann haben wir uns von unseren spanischen Freunden verabschiedet. Schließlich brauchten wir noch ein wenig Schaf, da es am nächsten Tag über Kopenhagen zurück nach Hause gehen sollte. Welch ein folgenschwerer Irrtum.
Hoffentlich treffen wir nächstes Jahr wieder auf Valladolid, damit wir uns für die tolle Gastfreundlichkeit revanchieren können.

Muchas gracias a los amigos de Valladolid, no olvidamos la ultima final de semana!

Dann kam die Heimreise. Wieder mit dem Zug nach Madrid und der Metro zum Flughafen. Schnell noch einchecken und den Koffer aufgeben und dann auf den Abflug um 13:10 Uhr warten. Dieser startete pünktlich. Doch leider kamen wir nur bis kurz vor die Rollbahn. Dort war Schluss. Es war irgendein Defekt aufgetreten und die Hobbybastler von SAS gaben alles. Nach einiger Zeit wurde eingesehen, dass dieses alles wohl nicht reichte. Also wieder in die Busse. Nein doch nicht, es sollte weitergebastelt werden. So vergingen die Minuten. Dann doch in die Busse zurück zum Gate. Dort stiegen wir erst aus, dann wieder ein, da es nicht das richtige Gate war. Die sehen sich ja auch zum Verwechseln ähnlich. Wie gemein…

Um 16:00 Uhr war dann neues Boarding, nur wie geht Boarding ohne Flugzeug? Das weiß nur SAS. 16:30 Uhr war dann endgültig klar, dass der Flieger nicht reparabel ist. So durften wir zur Vertreibung unserer Langeweile unser Gepäck wieder in Empfang nehmen. Wirklich nur ein kurzes Unterfangen. 45 Minuten. Danach sollte umgebucht werden. Es waren ja nur knapp 200 Leute. Das macht SAS mit links. Wir waren unter den ersten, aber da ging für diesen Tag schon nichts mehr. Also ein kuscheliges Hotel am Arm der Welt in Madrid ohne Infrastruktur. Der gelangweilte Reisende neigt ja sonst auch nur zur unnötigen Geldausgabe. Wirklich positiv zu erwähnen ist nur die Verpflegung im Hotel. So ging unser Flieger dann am nächsten Tag um 14:50 Uhr aus Madrid (da sind die Störtis mit ihrem Kleinbus wohl schon lange zuhause) und wir waren endlich um 21:00 Uhr wieder daheim. Alles für eine Stunde Handball!

Heike und Michael

 

 
Advertisement
© 2012 Fanclub Blau-Weiss
Template Design by funky-visions.de