News arrow News arrow 09.03.2010 - Bericht aus Zagreb
   
09.03.2010 - Bericht aus Zagreb Drucken
 A gram, odmah ćemo doći!
                                          (Für die weniger Sprachgewandten: Zagreb, wir kommen mit)

Samstagmorgen um 5:20 Uhr ging es von zu Hause los. Gott sei Dank hat es nicht so viel geschneit. Es lag nur eine kleine Puderzuckerschicht auf dem Boden. Unser Zug fuhr pünktlich aus Pönitz und der Anschluß in Lübeck hat auch geklappt.

In Reinfeld war es dann schon etwas mehr mit dem Schnee und in Ahrensburg hatte es uns dann doch erwischt. Dort lagen ca. 15 cm Schnee. Wir kamen wegen Weichenstörungen nicht weiter und standen mit ungewisser Aufenthaltsdauer. Da begann das große Zittern. Der zeitliche Sicherheitspuffer lief langsam gen Null. Aber mit einem weiteren Zwischenstop in Rahlstedt und einem fluchtartigen Wechsel im Hamburger Hauptbahnhof von Regionalbahn zur S1 Richtung Flughafen war dann alles wieder gut. In dem sicheren Glauben, die Reise würde jetzt etwas ruhiger,  betraten wir das Terminal 2. Wie gut, das in Hamburg  ab Montag die Ferien begannen. Deswegen waren wir nicht die einzigen Reisenden, die irgendwo hinfliegen wollten. Nebenbei erfuhren wir auch noch, daß unser Flieger 30 Minuten Verspätung hatte. Nach der Sicherheitskontrolle lernten wir ein neues Flughafenspiel kennen. „Gate-wechseln“. Angefangen bei A18, Wechsel auf C15 und dann nochmals nach Gate 13 mit der Gewißheit, auch noch eine kleine Busfahrt aufs Rollfeld zu genießen. Ein wenig in der Schlange zum Enteisen gestanden und mit einer nur geringfügigen Verspätung von 2 Stunden ging es dann nach München.

In München angekommen, wurden wir mit der Erkenntnis überrascht, daß unser Anschlußflug nach Zagreb schon weg war. Zum Glück wurden wir (ca. 20 Leute) auf die Warteliste des nächsten Fluges gesetzt. Es war sehr beruhigend, daß diese Leute leicht in dem nächsten Flieger unterzubringen wären. Karl, der schon in Zagreb war, versuchte von dort alles Mögliche, um uns zu unterstützen. Letztlich kam die Mannschaft uns entgegen. Sie war so nett, dem Piloten ihrer Maschine zu sagen, er möge sich nicht so beeilen. Verspätung hatte sie sowieso. Dadurch kamen wir auf ihre Plätze in der Maschine um 15:20 Uhr und sie genoß ein paar Stunden auf dem Münchener Flughafen. Ihr Weiterflug war dann auch schon um 21:05 Uhr. Für uns hieß 15:20 Uhr dann 15:20 Uhr plus 1 Stunde Rollfeld stehen und anschließend enteisen.

Gegen 17:30 Uhr landeten wir in Zagreb, wo Karl schon ganz ungeduldig auf uns wartete. Auch der Bus für die Mannschaft war schon da. Aber der Fahrer konnte sich noch ein paar Stunden auf’s Ohr hauen. Gegen 18:00 Uhr waren wir dann endlich im Hotel. Hotel Esplanada. 5 Sterne und das mindeste, was Karl machen konnte. Ein wirklicher Nobelschuppen. Ob das was für Handballfans war. Von früheren Reisen kannten wir nur Etagenbetten, 3-Mann Zimmer oder Fußböden als Schlafstätte.
 
Eingefleischte Zagrebfahrer wußten jetzt, was kommt. Kurz die Sachen aufs Zimmer verstaut, Treff mit Familie Vogel (Oma, Mutter, Vater und ein Sack voll Kinder. Eigene und ein fremdes) in der Halle und dann in Richtung Bahnhof. Treppe runter, zweimal rechts und da war er. Es gab ihn immer noch. Den kulinarischen Tempel schlechthin. Fettige Brote, belegt mit Ćevapčići oder Pljeskavica. Jede Menge rohe, gewürzte Zwiebeln und dunkles Bier. Nach solch einer Stärkung ging es auf den ersten Stadtbummel. Vieles kam uns noch bekannt vor. Zurück im Hotel haben wir die junge Vogelschar ins Bett gejagt und an der Hotelbar noch ein schönes „Absacker-Bier“ genossen.

Am nächsten Tag war ein geführter Stadtrundgang von Karl organisiert. Dabei hatten wir wieder festgestellt, daß Zagreb eine wirklich schöne Stadt ist. Und witzige Rentner, die Stadtführungen machten, gab es immer noch. Nach einer Ruhephase für Oma Vogel und einige andere Bedürftige, gab es noch mal eine Stärkung im besagten „Tempel“. Dann ging es endlich zum Handball in die neue Zagreb Arena. Es war ein beeindruckender Bau. Ein wirklicher Handballtempel. Und die Stimmung war genial. Am Anfang wurde von den kroatischen Fans ein riesiges Transparent ausgerollt, auf dem eine große +10 stand. Wir fanden die Prognose aber zu gewagt. So schlecht war Zagreb nun auch nicht, zumal zu Hause. Man sagte uns aber dann, daß wir damit gar nicht gemeint waren. Schade aber auch….

An dem Spiel gab es wirklich nichts zu meckern. „Unsere drei Kroaten“ spielten wie die Weltmeister. Alle ersten neun Tore – nur Blaženko, Igor und Domagoj. Dann hatte auch der Rest unserer Truppe begriffen, wie das Spiel funktionierte. Die Kroaten hielten sich ebenfalls brav an ihre zugedachte Rolle. Am Anfang kurz mithalten, dann einige Balic-Showeinlagen und schließlich artig, wie es sich für einen guten Gastgeber gehört, in Rückstand geraten. Die Halle wurde zunehmend ruhiger und wir waren deutlich zu hören. Irgendwie fand ab diesem Zeitpunkt auch Balic nicht mehr statt. In der zweiten Halbzeit genoß der große Meister das Spiel nur noch von außen. Das war uns aber egal. Dann kam das geniale unserer Mannschaft. Sie ließ etwas nach und die Kroaten vielen prompt darauf herein. Sie holten ein paar Tore auf, jubelten, um dann am Ende mit 4 Toren zu verlieren. Ein toller Schachzug.

Nach dem Spiel ging es gesittet aus der Halle. Es gab überhaupt keine Probleme mit den kroatischen Fans. Mit ein paar kleinen Ausnahmen, die hier nicht weiter erwähnt werden sollten. Auch war die Polizei deutlich weniger präsent als beim letzten Mal. Mit dem Bus ging es dann in ein außerhalb gelegenes kroatisches Spezialitäten-Restaurant. Es gab Suppe, Cordon Bleu und Kirschstrudel. Typisch kroatisch. Als die Mannschaft dann auch noch erschien, war der Abend perfekt. Sie wurde herzlich von uns empfangen, beglückwünscht und von der Wirtschaft mit kroatischen Spießen und anderen Leckereien verwöhnt. Wir hatten viel Spaß und der Star des Abends war Lisa. Mutter Vogels (und Vater Vogels) jüngste Tochter. Ein absoluter Jogi-Fan mit passendem Shirt. Unsere Spieler kamen nicht ohne ein Autogramm zu geben an ihr vorbei. Sie wurde zunehmend aufgekratzter. Lediglich zwei Spieler sind ihr entwischt. Am Ende des Aufenthalts ging es gemeinsam mit der Mannschaft ins Hotel zurück.  Erst zu unserem, dann zu ihrem. Nichtsahnend noch mal an der Hotelbar vorbeigeschaut, saß dort auch schon Karl. Nun kam sein großer Auftritt. Er erzählte eine Story nach der anderen. Einige neuere und einige, in denen die Akteure schon so alt waren, daß die älteren unter uns Schwierigkeiten hatten, sich an deren Namen zu erinnern. Auf jeden Fall fiel hin und wieder auch ein Name, der so klang wie Schwalb, oder Schwalbe…. Einige von uns waren so begeistert von Karl, daß sie mit ihm die halbe Nacht oder mehr hindurch Wein vernichteten.

Am nächsten Morgen kam dann der Schock für uns alle. Lisa, gestern noch der große Star, kam weinend zum Frühstück. Ihr tolles Jogi-Shirt mit fast allen Unterschriften war total zerfetzt. Alle Autogramme und das HSV-Logo total zerschnitten. Keiner wußte, wie das passieren konnte. Für Lisa war der Tag gelaufen. Erst als Karl ihr vor dem Abflug versprach, er würde es schon richten, war die Laune wieder etwas besser. Der Rückflug war dann reine Routine für uns. Das Wetter war gut, die Flüge ruhig und alle waren zufrieden. Alle, bis auf ein kleines… Nein das war eine andere Geschichte. Alle, bis auf Lisa. Sie mußte im Flieger Physik pauken. Ihre Vogel-Eltern waren da gnadenlos. Arme Lisa…….

Verfasser: Fam. Schütt

 
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